Was macht eigentlich „EENOK“?
Mit der neuen Reihe #CAPTNEnergyUpdate macht das CAPTN Energy Bündnis die Fortschritte, Ergebnisse und Meilensteine aus den Projekten sichtbar.
Gut ein Jahr nach dem Projektstart haben wir bei Santiago Moreano Rojas, Projektleiter für „EENOK-Systementwurf“ am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), nachgefragt: Welche Meilensteine wurden bereits erreicht – und wie geht es weiter? Mit dabei war Dr. David Dreistadt (DLR), der das neu gestartete Projekt „EENOK-Realisierung“ leitet. Gemeinsam treiben beide Projekte die Entwicklung eines Energiecontainers für die Schifffahrt voran.

Welcher Meilenstein wurde zuletzt erreicht?
Santiago Moreano Rojas: „Wir haben in „EENOK-Systementwurf“ unser erstes Arbeitspaket abgeschlossen und dafür Daten des Automatic Identification System (AIS) zu den Schiffsbewegungen auf dem Nord-Ostsee-Kanal ausgewertet. Uns interessierte, welche Schiffstypen dort unterwegs sind, wie schnell sie fahren und wie viel Energie und Leistung sie benötigen. Mit diesen Daten können wir nun bestimmen, wie groß Brennstoffzelle und Container für den späteren Einsatz sein müssen. Besonders häufig sind Schiffe der Verkehrsgruppen 3 und 4 unterwegs. Innerhalb dieser Gruppen machen containertaugliche Schiffe den größten Anteil aus. Unsere Auswertung zeigt, dass sie im Mittel rund 800 Kilowatt Hauptleistung und etwa 1,5 Megawattstunden Energie benötigen. Bei der Hilfsleistung liegen die Werte bei rund 250 Kilowatt beziehungsweise 828 Kilowattstunden.“
Zur Einordnung: Schiffe werden für die Passage des Nord-Ostsee-Kanals nach ihrer Größe in Verkehrsgruppen eingestuft. Diese Einteilung dient der sicheren Verkehrssteuerung, da die Breite des Kanals nicht in allen Abschnitten Begegnungen beliebig großer Schiffe zulässt. Weitere Informationen bietet das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Nord-Ostsee-Kanal.
Dr. David Dreistadt: „Mit „EENOK-Realisierung“ sind wir gerade erst gestartet. Antrag und Planung sind abgeschlossen, das Kickoff hat stattgefunden, und jetzt geht es an die praktische Umsetzung. Dabei arbeiten beide EENOK-Projekte eng zusammen: „EENOK-Systementwurf“ liefert die technischen Grundlagen, und in „EENOK-Realisierung“ überführen wir diese Schritt für Schritt in den Bau und die Erprobung des Energiecontainers.“
Was hat euch überrascht oder war schwieriger/einfacher als erwartet?
Santiago Moreano Rojas: „Vergleichbare Datenerhebungen betrachten häufig Emissionen. Für uns waren aber vor allem Energie, Leistung, Geschwindigkeit und die Bewegungen der Schiffe interessant. Zu genau dieser Kombination gibt es bislang nur wenige Vergleichsdaten. Die Ergebnisse selbst haben uns nicht völlig überrascht, denn sie passen gut zu dem, was Fachleute am Nord-Ostsee-Kanal täglich beobachten. Der Austausch mit ihnen war für uns ein wichtiger Realitätscheck. Er hat bestätigt, dass unsere Berechnungen gut mit den Beobachtungen vor Ort übereinstimmen.“
Gibt es ein greifbares Zwischenergebnis?
Santiago Moreano Rojas: „Unsere Datenauswertung ist zwar noch kein Container, den man anfassen kann, aber sie ist die entscheidende Grundlage für alles, was folgt. Sichtbar machen können wir die Ergebnisse trotzdem: Es gibt eine Darstellung des Untersuchungsraums entlang des Nord-Ostsee-Kanals, die die AIS-Abdeckung im Jahr 2024 anhand der Anzahl der empfangenen Signale zeigt (siehe Bild 1). Zudem gibt es eine statistische Grafik zum ermittelten Bedarf an Energie und Leistung (siehe Bild 2). So wird auf einen Blick deutlich, welche Anforderungen der spätere Energiecontainer erfüllen muss.“

Welche Personen stecken hinter dem Fortschritt?
Hinter dem Fortschritt stehen zwei eng verzahnte Projekte und viele Menschen im Team. Santiago Moreano Rojas leitet „EENOK-Systementwurf“ und verantwortet die Datengrundlage und die technische Dimensionierung des Energiecontainers. Dr. David Dreistadt leitet „EENOK-Realisierung“ und begleitet den Schritt von der Konzeption in die praktische Umsetzung. Hinzu kommt das Team des DLR, das die AIS-Daten ausgewertet und die Ergebnisse mit Praxiserfahrungen mit Fachleuten vom Nord-Ostsee-Kanal abgeglichen hat. Der Fortschritt ist also das Ergebnis enger Zusammenarbeit.
Ausblick: Wann steht der nächste Meilenstein an?
Santiago Moreano Rojas: „Als Nächstes wird es richtig anschaulich. Im ersten Quartal 2027 wollen wir den Container detailliert auslegen, bis hin zur Anordnung der Komponenten und ersten dreidimensionalen Darstellungen. Danach werden Brennstoffzelle und weitere Bauteile Schritt für Schritt integriert.“
Dr. David Dreistadt: „Unser großes Ziel ist der Praxistest. Bis 2028 soll der vollständige Container bei einer Testfahrt auf der Forschungsplattform MODULARIS des DLR erprobt werden. Die Plattform wurde Mitte September zu Wasser gelassen und wird ab Herbst 2027 ihren Heimathafen am neuen Standort des DLR in Kiel haben.“